TANZSTÜCK VON VERENA WEISS
VOLKSOPER WIEN IN ZUSAMMENARBEIT
MIT DEM TANZTHEATER WIEN
MUSIK VON
CLAUDIA BOMBARDELLA, LUCA DI VOLO
UND URI CAINE
LIVE MIT ORCHESTER
URAUFFÜHRUNG
Premiere am 16. Juni 2000
Weitere Vorstellungen 18., 20., 21., 28., 29., 30. Juni
22. Oktober und 17. November 2000, jeweils 20 Uhr
Claudia Bombardella und Luca di Volo
Komponisten Claudia Bombardella, Luca di Volo und Uri Caine
Musikalische Leitung Alfred Eschwé
Choreografie Verena Weiss
Choreografische/Künstlerische Mitarbeit, Probenleitung Ingo Diehl
Kostüme Tanja Hoge, Verena Weiss
Bühnenbild Paul Lerchbaumer
Licht Frank Sobotta
Dramaturgie Regine Friedrich
Es tanzt das Ballett der Volksoper Wien.
VERENA WEISS
arbeitet zum ersten Mal mit dem Tanzensemble der Volksoper Wien. Aufgetreten ist sie in Wien jedoch bereits mehrmals im Rahmen der Festwochen: Als Tänzerin
mit dem Bremer Tanztheater von Reinhild Hoffmann und zuletzt, 1994, mit ihrem eigenen Stück Mata Hari, in dem sie auch die Titelrolle verkörperte. Verena
Weiss läßt sich bei ihren Arbeiten einerseits von literarischen Stoffen und Figuren inspirieren, andererseits von ihrer Neugier auf außereuropäische Mythen und
Tanzformen. So kreierte sie Tanzstücke nach Motiven von Anton Tschechov und Hans Henny Jahnn, den Soloabend Der Mann mit dem Pantherfell nach einem
georgischen Epos, die Tanztheaterstücke über die indische Göttin Kali sowie Landschaft mit Göttinnen, in dem es um «die Vielfalt der weiblich bestimmten
archaischen Welt» ging. Die Zeitschrift tanz affiche nannte diesen Abend «nicht nur Bildtheater, sondern getanztes Theater». In diesem Sinn wird auch Sintflut
choreografisch umgesetzt. Ein Menschheitsmythos wird in poetischen Bildern nachempfunden und mit den Mitteln zeitgenössischer Tanzkunst neu interpretiert.
ZUM STÜCK
In allen Kulturen der Welt wird von einer katastrophalen Überschwemmung berichtet, die von den Menschen als ein Zeichen göttlicher Gewalt empfunden wurde.
So bildet die Sintflut seit Jahrhunderten den Stoff für Sagen und Mythen. Künstler verschiedener Epochen haben sich immer wieder mit ihr befaßt, sie aus dem
Blickwinkel ihrer Zeit dargestellt. Angesichts der jüngsten Naturkatastrophen und deren Folgen für die betroffenen Menschen ist die Sintflut mehr als ein Mythos
aus längst vergangenen Zeiten.
Die alttestamentarische Geschichte von Noah und der Sintflut handelt von einer Naturkatastrophe, ausgelöst durch einen zürnenden Gott, von Flucht und Rettung
weniger Auserwählter. Sie enthält Grundsituationen der menschlichen Existenz, die bis heute unser Leben prägen, Verhaltensmuster, die sich unter vergleichbaren
Bedingungen in unserem Alltag beobachten lassen. Zum Beispiel: die Selektion weniger zur Rettung bestimmter Lebewesen, das Zusammenleben von Individuen
unterschiedlicher Gattungen auf engem Raum während der scheinbar nicht enden wollenden Flut. In einer solchermaßen einander ausgelieferten Notgemeinschaft
ergeben sich zwangsläufig neben dramatischen auch groteske Situationen. Tragik und Komik liegen eng beieinander. Unter diesem Aspekt bietet die Geschichte der
Sintflut eine Fülle von Möglichkeiten für die tänzerische Gestaltung.
Für Verena Weiss spielt bei ihren Werken die enge Zusammenarbeit mit Komponisten und Musikern eine wesentliche Rolle. In ihrem neuen Tanzstück Sintflut
sind das der amerikanische Jazzpianist und Komponist Uri Caine sowie das italienische Duo Luca di Volo/Claudia Bombardella, das auch szenisch mitwirkt.
Uri Caine hat sich in Österreich längst einen Namen gemacht: mit seinen Konzerten bei den Salzburger Festspielen und natürlich in Wien. Er ist in den letzten
Jahren zum Shootingstar nicht nur der Jazzszene geworden. Zwar tritt er seit Beginn seiner Karriere bei allen wichtigen Jazzfestivals auf, wird mit Preisen
ausgezeichnet, doch sein begeistertes Publikum findet er genauso bei Liebhabern der klassischen Musik. Seine eigenwilligen Transformationen klassischer Werke
von Mahler, Schumann und Bach gelten als «Crossover»-Kompositionen par excellence. Die internationale Fachwelt ist sich darin einig: Sie verlieh Uri Caine 1997
den internationalen Gustav-Mahler-Preis für die beste Einspielung des Jahres, eine CD mit Mahler-Adaptionen Urlicht/Primal Light, die beim Label «Winter &
Winter» herauskam. Man darf gespannt sein auf eine neue Begegnung mit Uri Caine in einem auch für ihn noch unerprobten Genre.
Regine Friedrich